Weak Signals

Ein weiteres Instrument der strategischen Informationsgewinnung sind die sogenannten weak signals (schwache Signale). Das Ziel des von Ansoff entwickelten Konzeptes ist es, nicht erst Probleme (Ereignisse) zu realisieren, wenn sie eingetreten sind. Nein, sondern bereits deren Ankündigungen (weak signals) zu erkennen.

Was zeichnet die Methode der weak signals aus?

Zunächst möchten wir euch einen Überblick der Eigenschaften geben, welche dieses Instrument der strategischen Informationsgewinnung charakterisieren:

  • Strukturbrüche kündigen sich durch unklare Hinweise an und konkretisieren sich später zu Problemen.
  • Abweichungen oder Unregelmäßigkeiten entstehen nicht zufällig. Sie folgen bestimmten Entwicklungsmechanismen und relativ stabilen Diffusionsmustern. Zum einen wirken Veränderungen nicht direkt auf das Unternehmen, sondern über Umwege (Kausalketten, issue mapping). Zum anderen sind Umweltveränderungen in der Regel vernetzt und nicht isoliert.
  • Das Unternehmen soll Indikatorpfade nutzen um die Vorlaufzeit zu erhöhen. Ebenfalls durchlaufen gesellschaftliche Ansprüche, Ideen etc. (issue) einen Lebenszyklus und entwickeln sich eventuell zu Kundenansprüchen.
  • Zu beachten sind die vielen Veränderungen der Mikroumwelt (vor allem im Konsumentenverhalten). Sie entstehen aus den Entwicklungen in der Makroumwelt. Issues, wie zum Beispiel Umweltbewusstsein oder Ökologiediskussion, vermischen aus der Makroumwelt in die Mikroumwelt (Märkte). Dadurch werden diese zu relevanten strategischen Marktchancen beziehungsweise –risiken. Die Entwicklungen aus der Makroumwelt müssen als „schwache Signale“ identifiziert und richtig interpretiert werden.
  • Wichtige Frühindikatoren (der Trendforschung) sind Meinungsäußerungen bzw. Stellungsnahmen von Experten oder Vorreitern. Sie entstehen am Anfang des Lebenszyklus.

Wie können diese weak signals identifiziert werden?

Es gibt verschiedene Instrumente zur Erfassung von schwachen Signalen. Wir möchten euch stichpunktartig die gängigsten Methoden aufzählen um einen Überblick zu geben:

  • Analyse von Medien, Datenbanken, wissenschaftliche Studien
  • Delphi-Befragung
  • Außendienstberichtssysteme
  • Patentrecherchen
  • Kundendienst-/Verbraucherabteilungen, Beschwerdemanagement
  • Simulationsmodelle, Szenarioanalyse
Herzrythmus - Anzeichen für ein Signal

Welche Forderungen bzw. Rückschlüsse können seitens der Unternehmen bzgl. der Methode „weak signals“ der strategischen Informationsgewinnung herausgefiltert werden?

Weak Signal - Handshake mit EKG im Hintergrund
  • Proagieren statt Reagieren!
  • weak signals dürfen nicht zu strong signals werden
  • Nicht nachträglich handeln!
  • Vorwegnehmend steuern
  • Krisenvermeidung statt Krisenmanagement
  • Strategische Antworten finden:
    • Erhöhung der Reaktionszeit und damit Qualität der Strategien
    • Rechtzeitige Richtungsänderungen
    • Wichtig: lange Vorlaufzeit der Signale, hohe Korrelation mit dem zu prognostizierenden Ereignis
  • Handlungsweisen abhängig von Dringlichkeit und Stärke der Auswirkungen (strategic issue management)

Zu klären bleibt nun, welche Strategie Unternehmen verfolgen können, um auf identifizierte schwache Signale zu reagieren. Hiernach hat Ansoff zwischen 3 Taktiken unterschieden:

Diese Strategie ist aktuell vor allem bei Unternehmen der Automobilbranche zu beobachten, die sich bezüglich E-Mobilität abwartend zurückhalten.

Unternehmen haben weak signals erkannt und wollen die Flexibilität auf deren Auswirkungen steigern. D.h. Unternehmen beschäftigen sich mit der Thematik, entwickeln Gegenmaßnahmen für verschiedene Szenarien in Bezug auf das identifizierte weak signal.      

Diese Strategie ist häufig zu beobachten, wenn Start-ups zu etablierten Unternehmen in Konkurrenz treten. Werden die jungen Unternehmen durch die etablierten erkannt und als “Bedrohung” wahrgenommen, werden diese häufig schon in der Frühphase ihrer Entwicklung aufgekauft.